Solarenergie und die Stromriesen. Das Beispiel RWE
Wenn man an erneuerbare Energie denkt hat man meist kleinere Unternehmen im Blick. Egal ob Wasser, Sonne oder Wind, die Menschen denken erstmal an eine lokale Versorgen, die meist von kleineren Firmen (Stadtwerken oder mittelständischen Unternehmen) getragen wird. Erneuerbare Energien werden dadurch immer mit einer natürlichen und dezentralen Wirtschaft assoziiert. Das hat schon bei Windparks und bei großen Staudämmen nicht so wirklich gestimmt. Große Investitionen ziehen nämlich oft die Riesen der Branche an. Aber gilt das auch für die Solarenergie? Dieser Frage möchte ich am Beispiel RWE nachgehen.
RWE (Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG) wurde noch im vorletzten Jahrhundert gegründet und hat ihren Hauptsitz in Essen. Der Konzern gilt als einer der großen Vier in Deutschland (Vattenfall, EnBW, E.on und eben RWE). Traditionell setzt RWE auf fossile Energieträger. Mit 18% ihrer Energieproduktion besitzen sie aber auch ein zweites Standbein bei der Produktion von Kernenergie. Zumal der Konzern bis vor kurzen sogar Atomkraftwerke im Ausland mit aufgebaut hat (für einen detailierten Bericht über ihre Energiemix, siehe den Geschäftsbericht 2009). Die Konzernspitze war lange einer der größten Verfechter der Atomkraft und zog auch erhebliche Gewinne aus dieser Art des Stroms. Erst mit der Haverie des Atommmeilers in Fukushima und der sogenannten “Energiewende” unter Merkel und Röttgen began ein Umdenken. Unter dem neuen Chef Peter Terium hat der Konzern einen Strategiewechsel vollzugen, der auch andere deutsche Stromanbieter nachhaltig beeinflusst hat. Der Grund liegt aber nicht in einer moralischen Aufwertung der erneuerbaren Energie, sondern in den finanziellen Risiken und der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Atomtechnologie.
Stattdessen fährt RWE nun eine andere Strategie. Sie wollen Solarernergie fördern und vermehrt in ihren Energiemix einbinden. Dabei engagieren sie sich über ihre Tochter Innogy vor allem bei größeren Projekten im Ausland. Ein wichtiges Beispiel ist der neu enstehenden Solarpark in Marokko. Auf dem heimischen Markt hingegen kooperieren sievermehrt mit Kommunen, die immer noch als einer der Hauptträger der Solarenergie gelten. Die neuere Entwicklung von RWE macht aber deutlich, dass Großkonzerne nicht in der Produktion Solarpanels und Solarenergie einsteigen, sondern die Infrastruktur ihrer Netze zur Verfügung stellen und Dienstleistungn für die Vermarktung von Strom lokalen Produzenten anbieten. Somit finden wir hier eine Vernetzung von kleineren Firmen und den alten Riesen. Man kann nur hoffen, dass dadurch beide profitieren und die Kleinen nicht auf Dauer aufgesogen werden.

